Murdock x 2

Bevor es losgeht, stelle dir bitte Folgendes vor:

  1. Murdock vom A-Team im Alter von ca. 80 Jahren
  2. die Moritat von Meckie-Messer aus der Dreigeoschenoper (zur Erinnerung: „Und der Haifisch, der hat Zähne. Und die trägt er im Gesicht. Doch Meckeath, der hat ein Messer und das Messer sieht man nicht.“

Wieder einmal verbringen wir eine abenteuerliche Nacht. Dieses Mal fragen wir in der überlaufenen Gegend von Gooseberry Falls an einem Hause an. Es öffnet … richtig, ein 80 Jahre alter Murdock. Er trägt einen löchrigen Schlafanzug mit Batmanmotiven auf der Hose. Dazu Lederschlappen mit Schafsfell.

Er: Was wir denn wollten?

Wir : Na ja, wir suchten nur einen Platz, wo wir zelten könnten für eine Nacht. Wir bräuchten auch nicht viel Platz, nur ein bisschen Rasen (Mr. Murdock ist im Besitz desselbigen).

Er: Mh… Alle Campingplätze im Umfeld wären ja ausgebucht. Was man da denn machen könnte. Er wolle ja sehr gerne helfen. Aber nur wie?

Wir: Wir hätten ein Zelt, bräuchten nur ein bisschen Rasen und wären auch ganz ruhig (Wir lassen nun den Blick um uns herumschweifen, um ihn etwas zu inspirieren).

Er: Mh… Er würde uns ja nur zu gerne helfen, doch er wohne nicht alleine in dem Haus. Er würde hier einen alten Mann pflegen (Wie alt der dann wohl  sein mag?). Der wäre allerdings äußerst, ja wirklich äußerst schreckhaft. Außerdem leide er an Schizophrenie. (Du spielst hier jetzt die Moritat von Meckie Messer ab und wir blicken uns jetzt jedenfalls doch etwas besorgt an. Das ist Mr. Murdock wohl auch aufgefallen.)

Er: Der Mann allerdings sei völlig harmlos und hätte keine Waffen. (Hm, sagt er, genau das war auch mein Gedanke…).

Weil uns Mr. Murdock wirklich so gerne helfen möchte, zeigt er uns die hinterste Ecke im Garten. Hier sollten wir das Zelt aufstellen, die würde sein Patient aus seinem Zimmer auch nicht einsehen können….

Gesagt, getan. Wir munkeln noch, ob Mr. Murdock vielleicht sein eigener Patient sei. Noch finden wir es lustig. Doch beim Kochen höre ich auf einmal einen Mann aufgebracht im Hause brüllen, was das denn für Leut da draußen wären. Ui. Jetzt hat er uns doch entdeckt. Zum Umkehren ist es zu dunkel. Also essen wir unser Süppchen und legen uns schlafen.

Doch es wird eine lange Nacht. Mr. Murdock I und Mr. Murdock II hantieren im Haus herum. Ständig geht das Licht an und aus. Außerdem rumpelt es dort von Zeit zu Zeit. Was die da wohl treiben? Ihre Küchenmesser wetzen?

Knapp alle zwei Stunden werden wir wach und malen uns detailreich diverse Szenarien aus vom Rausschmiss aus dem Garten bishin zur Messerattacke (hier wieder Meckie-Messer einspielen).

Mit dem ersten Tageslicht packen wir in rasantem Tempo unser Zelt zusammen. Doch Mr. Murdock ist schneller. Er hastet wieder in seinem Batmananzug und seinen Schluppen aus seinem Haus. Heute hat er sich zusätzlich einen Frotteebademantel übergeworfen.

Er: Wie wir denn geschlafen hätten.

Wir: Gaaanz toll, nahezu fantastisch. Es wäre so nett von ihm gewesen, dass wir in seinem Garten hätten zelten dürfen….

Er: Er jedenfalls hätte die ganze Nacht kein Auge zugetan. Er sei so aufgeregt gewesen. (Was er sich wohl überlegt hat? Dass wir Supermansticker an seine Tür kleben? Durchs Fenster gucken, und ihn beobachten? Feuer legen? Das fragen wir ihn aber lieber nicht.) Uns geholfen hätte er auch gerne. Wir wären sogar durch das Schicksal angekündigt worden: Bevor wir klingelten, hätte er noch einem Radiokonzert mit deutschen Musikern beigewohnt. Na was für ein Glück für uns, sonst hätte es mit dem Zelten wohl gar nicht mehr funktioniert.

Und die Moral von der Geschicht: Zwei Parteien können sich lebhaft die entgegengesetzten und zueinander passenden Schreckgeschichten unabhängig voneinander vorstellen. Und eigentlich sind Menschen doch gut und wollen wirklich helfen.

Es grüßt Felicitas


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10 Gedanken zu “Murdock x 2

  1. Elmar Heinrich schreibt:

    Nach Chicago war das zwar auch ein aufregender Abend aber nicht so schlimm. Verrückte gibt es überall auf der Welt. diese sind aber nicht gefährlich.
    ich freue mich immer wieder über Eure Berichte.
    Ihr berichtet über so intensive Kontakte. Ja ,man kann aber nur Kontakt haben, wenn man auf die Leute zugeht. Schon alleine die Frage der Übernachtung bedeutet, dass Ihr die Menschen ansprechen müsst. Diese Erlebnisse, von denen Ihr berichtet sind zu schön.

    Macht weiter so schön und lasst mich teilhaben.

    E. P.

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    • Weltenstromer schreibt:

      Lieber E.P.,
      da hast du wohl recht, dass Chicago echt eine andere Hausnummer war. Dafür war dort der Adrenalinkitzel nur kurz und hier die ganze Nacht anhaltend 😅
      Und es stellt sich mit jedem Mal einfacher heraus, Unbekannte anzusprechen, ob wir bei ihnen zelten dürfen. Häufig gibt es auch kleine Zeichen, die auf aufgeschlossene Menschen hindeuten: z.B. ein Stern oder Herz am Stall (gibt hier viele von), Kunst im Garten, Holzhaus.
      Gerade sind wir übrigens bei einem Künsteler zu Gast, der in einem Holzhaus wohnt…. Famos!
      Viele Grüße von F.H.

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  2. Doris Schuller schreibt:

    Dear friends, again a very interesting article from you. I can see that each day holds new adventures and surprises. Murdock was quite exciting. I read that Andreas has been taking photograpy courses. When you return home you can produce a beautiful digital album which your friends will enjoy and relive your great memories with you. Have the rains and fires that are raging in tlhe west affected you at all. With your limited space, have you bought any souvenirs. Of course you can also send things home. Looking forward to more reports and wishing you great adventures, stay safe and healthy, your friend, Doris

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    • Weltenstromer schreibt:

      Our dear Doris,

      Everytime we read from you we think back of our visit in Cazenovia and we smile. You were our first friend we met and made here. Tomorrow, by the way we will give a presentation for Indian children about our trip and the experiences withyou will be one part of it.

      Here in Wyoming, we are luckily not affected by wildfire or tornadoes. Though the sky is always a bit dusty and we cannot clearly see the mountains.
      Until now the souvenirs we got fit all in our luggage.

      We will see what is happening after returning. If enough people would be interested in a book. Who knows… until then we write our blog.

      Love, Felicitas and Andreas

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  3. Christina schreibt:

    Ihr lieben, leider komme ich nicht immer dazu eure Beiträge zeitnah zu lesen. Aber dieser erscheint mir legendär, auch wenn es in der Nacht bestimmt nicht so lustig war. Passt gut auf euch auf. 😀

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