Rollenbilder ohne Zwist – zu Gast bei den Amish People (#3)

Drittes C: Childen and Family

Traditionelle Aufgabenverteilung der Erwachsenen

Die Familien leben in mehreren Generationen zusammen. Oft in verschiedenen Häusern auf einem Gehöft. Der Gedanke ist, dass die Alten von der jüngeren Generation gepflegt werden.

Männer und unverheiratete Frauen gehen einer Arbeit nach. Das können Bereiche sein wie z.B. Pferde- und Viehzucht, Farmer, Käseherstellung. Wayne hat seine eigene Firma Pioneer Equipment gegründet und dort werden Wagen und Ackerbaumaschinen, die von Pferden gezogen werden, von knapp 50 Mitarbeitern hergestellt, beworben und vertrieben.

Ehefrauen und Mütter sind zumeist für den Haushalt und die Kindererziehung zuständig. Sie kochen von früh bis spät äußerst lecker, wie wir feststellen dürfen. Die Kindererziehung ist eine Lebensaufgabe. Bei durchschnittlich sechs Sprösslingen auch kein Wunder. Mary und Wayne haben sogar zwölf Kinder und aktuell 35 Enkel.

Kleiner Exkurs zur Kleidung

Auch die Kleidung ist traditionell, trägt zum Gemeinschaftsgefühl bei und ist an der Heiligen Schrift orientiert. Mode, Schmuck und auffällige Schnitte spielen keine Rolle, da sie den einzelnen in den Mittelpunkt stellen. So tragen alle die selbst hergestellte Tracht: Frauen und Mädchen einfarbige Kleider, manchmal farblich passende Schürzen und weiße Hauben. Die Hauben rühren von einer Bibelstelle, die besagt, dass Frauen ihr Haar bedecken sollen. Männer und Jungen kleiden sich mit Hemden, Hosen mit Hosenträgern und häufig einem Strohhut. Verheiratete Männer erkennt man übrigens am flauschigen Bart.

Aufgaben der Kinder

Kinder kümmern sich schon in jungen Jahren um ein Tier – ein großes wie eine Ziege, einen Hund oder ein Pony, nicht so was kleines wie ein Meerschwein. So soll Verantwortung gelernt werden. Unsere kleinen Freunde sind sogar selbständig mit Gewinnerzielungsabsicht mit der Ahornsirupproduktion oder der Ausbildung von Ponys und Pferde zum Reit- und Zugtier betraut. Louis (13) sagt zum Thema Arbeit, dass er zwar andere Sachen lieber macht, der Rasen aber trotzdem gemäht werden will. Also macht er das eben zuerst.

Schule gibt es bis zur 8. Klasse. Berufe, die einen Colledgeabschluss erfordern, kommen bei Amish People daher nicht in Betracht. Das würde dem einfachen Leben, dem sie sich verschrieben haben, widersprechen. Trotzdem erklären uns die Kinder, dass sie bereits über ihren Berufsweg nachdenken und Arbeit finden werden, die ihren Interessen entspricht – Farmer, Handwerker, Pferdezüchter…

Wir sind überrascht: Alle Kinder wirken trotz der vielen Arbeit zufrieden. Keines sitzt gelangweilt in der Ecke  herum, wirkt traurig oder aggressiv. Im Gegenteil, alle gehen ihren Aufgaben nach, haben trotzdem genug Zeit miteinander zu spielen und sind ab einem gewissen Alter Gesprächspartner von Themen wie Berufswahl, Glaube, Pferdezucht.

Woran liegt das? Wir haben nur Erinnerungen daran, dass nie irgendwer als Kind gerne die Spülmaschien ausräumen, den Müll runterbringen oder den Kaninchenstall sauber machen wollte. Und hier wissen die Kinder, welche Arbeit getan werden muss und teilen sie sich ein. Vielleicht liegt es daran, dass keiner nur mit einer einzelnen Aufgabe wie dem Abwasch betraut ist, sondern für ein eigenens, wichtiges Projekt verantwortlich ist.

Möglicherweise ist der Grund auch, dass die gesamte Gemeinschaft mehr oder minder demselben Tagesrhythmus folgt, alle konstant beschäftigt sind und sich keiner durch den Tag schlunzt und faulenzt. Das steckt dann wohl einfach an.

Rollenbild trifft Identität

Kleidung gleich, Tage gleich, Gemeinschaft im Vordergrund. Rollenbilder sind klar verteilt. Das schafft Halt und Sicherheit in einer Zeit, in der es sonst so viele Unwägbarkeiten, Zweifel und Herausforderungen gibt. Männer, Frauen und Kinder wissen genau, wie sie als Mann, Frau oder Kind zu sein haben, was sie im Leben erwartet. Männer gehen arbeiten, geben den Ton an (sowohl im Alltag als auch beim Singen), Frauen gestalten den Rahmen, das Heim, erziehen die Kinder (dürfen aber kein Geschäft gründen oder in den Kirchenchor), Kinder helfen bei der Arbeit mit.

Basierend darauf stellt sich die Frage nach der eigenen Identität und Qualitäten bei den Amsih People vermutlich etwas anders als in deinem und meinem Alltag.  Jeder weiß, wer in der Gemeinschaft üblicherweise welche Aufgaben übernimmt und welche das sind. Also findet jeder seinen Platz und füllt diesen selbstverständlich und mit Freude aus.

Und was heißt das jetzt für mich?

Einen Platz, eine Rolle für sich zu finden, die einen ausfüllt und glücklich macht, ist manchmal nicht so einfach, weil so viele unterschiedliche Lebens- und erziehungskonzepte aufeinanderprallen und man das für sich richtige herausfinden muss – und es lohnt sich unabhängig davon, wie es im Endeffekt aussieht: Traditionell, unkonventionell, abenteuerlich, konservativ, alternativ, streng, laissez-faire…

Welche Rolle fülle ich aus und aus welcher bin ich herausgewachsen?
Worüber definiere ich mich (auch einmal unabhängig von Geschlecht und Arbeit betrachtet)?
Worauf lege ich Wert bei der Erziehung meiner Kinder?

Felicitas


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