Die mit den Kojoten heulen

Nach drei schönen Wochen in weichen Betten unserer Freunde in Madison sind wir wieder unterwegs und zelten. Nach bisherigem Vorbild fragen wir einen Besitzer eines Hauses mit großem Garten, ob wir da campieren dürften. Wir dürfen. Sehr  idyllisch ist es hier auf der Grasfläche inmitten einer waldigen Landschaft an den Ufern des Mississippi im Sonnenuntergang.

Plötzlich erschallt ein Heulen, Kichern, Kläffen vom Hügel links von uns. Darauf ertönt direkt eine noch lautere Replik von dem gegenüberliegenden bewaldeten Hang.

Oh nein. Wir sind offenbar umzingelt von irgendwelchen Bestien auf Nahrungssuche.

Jetzt ist mir auch ein bisschen zum Heulen zu Mute.

Vorsichtig pirschen wir uns zu unserem Host, um uns über Lebenserhaltungsmaßnahmen zu erkundigen. Der Host allerdings zeigt sich gänzlich unbeeindruckt und meint, dass dies Kojoten seien und die die ganze Nacht durch so ein Spektakel veranstalten würden. Das allerdings nur im Wald und sie würden auch nicht auf die Wiese kommen.

Oh Backe.

Gerade habe ich noch so ein leckeres Brot (weil von unserer Freundin Elspeth selbst mit Sauerteig gebacken) mit Erdnussbutter gegessen. Das ergibt bestimmt eine besonders schmackhafte Füllung für den hungrigen Kojoten-Bauch. Ich bin doch noch so jung und habe noch so viel vor.

Andreas heult auch auf – allerdings nicht wie die Kojoten oder ich innerlich – sondern vor Begeisterung. Der Mond erscheint nämlich gerade in voller Pracht am Firmament und das ist sein Motiv des Abends! Mit Stativ und Kamera schleicht er über die Heide und sucht nach der besten Einstellung. Ihn lässt die Geräuschkulisse des Kojoten-Vereins offenbar völlig kalt.

Im Gegenteil. Andreas erzählt mir jetzt von Vampiren, Wer- und normalen Wölfen und eben Kojoten, die begeistert mit allersamt Nachtgetier den Vollmond anheulen.

Zu unserem lauschigen Quartier zählt zu allem Überfluss auch noch eine rostige Bahnschiene. Und sobald ein Zug über die nahegelegenen Schienen kreischt, schwingt sich das Gebrülle der rivalisierenden Rudel zu immer neuen Heul-Höhen hinauf, mit dem sie dieses Geräusch zu übertönen oder darin einzustimmen versuchen. Das ist mir noch nicht so ganz klar, ehrlich gesagt aber auch egal.

Es wird irgendwie nicht besser.

Ich besinne mich, dass Angst vorrangig im Kopf ersonnen wird und versuche, mein Halbwissen bezüglich Ernähungsgewohnheiten von Kojotenhorden außen vor zu lassen. Irgendwann stehen wir zu zweit auf der Lichtung im strahlenden Schein eines – wie ich doch sagen muss – berauschend schönen Mondes und meditieren vor uns hin.

Wir sind offenbar so entspannt, dass ein weißes Frettchen mit Plüschschweif aus seinem Versteck herausgehuscht kommt, direkt vor uns zum Stehen kommt, uns dann erst erkennt und dann panisch ins Gebüsch zurückrennt.

Die Kojoten sind jetzt auch ruhig.

Das Meditieren hat geholfen und wie ich heute erfahren habe auch die guten Wünsche von Katharina, die nämlich in der Stunde meiner Not meiner gedacht hat.

Felicitas

3 Gedanken zu “Die mit den Kojoten heulen

  1. Weltenstromer schreibt:

    Heute Nacht haben wir übrigens wieder im Kojotenhügel gezeltet – allerdings in den Great Plains. Die haben zwischendurch ein bisschen wie Meerschweinchen geklungen und beim Ukulelespielen mitgesungen. Es ist also nicht mehr so schlimm 🙂

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