Über das Ritual einer Reise

Obwohl ich schon viele und lange Reisen gemacht und auch im Ausland gearbeitet habe, ist die Vorbereitung auf diese Reise anders.

Es ist weniger der Aufwand, den wir für dieses Unterfangen treiben. Sicherlich übersteigt die Organisation und Logistik bei weitem alles, was ich je in ein privates Projekt investiert habe. Aber während alle bisherigen Welterkundungen aus dem sicheren Hort eines Zuhauses gestartet sind, erscheinen sie mir jetzt rückblickend doch eher als Abenteuer mit Urlaubscharakter. Die Arbeit auszusetzen, auf regelmäßiges Einkommen zu verzichten, die Wohnung auszuräumen, das Auto zu verkaufen, noch einmal alle Freunde, Familie und insbesondere die alten Menschen und Großeltern zu besuchen, löst in mir eine unbekannte Welt von Gefühlen und Gedanken aus.

Neben all der Vorfreude und Aufregung kommt in mir die Frage auf, was ich hier eigentlich mache. Obwohl die eigentliche Reise noch gar nicht angefangen hat sind unzählige Widerstände im Außen und Innen zu überwinden. Das System und der Schweinehund führen Prüfungen an, doch lieber ein angepasstes, normales Leben zu führen. Das Nervenkostüm wird dünner, ich bin gerade sicherlich nicht der elastischste Zeitgenosse.

Mein letzter Arbeitstag, die Feier mit Kollegen und die mit Freunden und Familie läuft wie ein Film an mir vorbei. Ich sehe mich wie von außen, ich höre mich in Gesprächen antworten. Ich frage mich, ob man sich so fühlt, wenn man sich auf das Sterben vorbereitet. Ich spüre den dringenden Wunsch, mich mit allen Menschen in meinem Leben auszusprechen und zu versöhnen. Ich habe bereits zweimal die Erfahrung gemacht, nahestehende Menschen zu verlieren und es hinterher bitterlich bedauert, mir nicht mit ihnen alles von der Seele geredet zu haben. Jetzt, wo ich gehe, will ich diesen Fehler auf keinen Fall wiederholen.

Das andere und neue, was diese Reise von ihren vorhergehenden unterscheidet, ist ihr ritueller und initiativer Charakter. Nach einer Zeit der inneren und äußeren Vorbereitung geht es darum ein altes Leben, einen alten Entwurf von sich loszulassen, eine Prüfung und Transformation zu durchlaufen und als neuer, gestandener Mensch zurückzukehren. Alle diese vier Teile sind wichtig für die Initiation. Die Vorbereitung, das Loslassen, die Transformation und die Integration. Und ich bin schon mittendrin.

Andreas


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